Energiewende mit Weitblick gestalten – Wie gelangt die Wohnungswirtschaft vom reaktiven zum proaktiven Handeln?

Das Klimaschutzgesetz und weitere regulatorische Änderungen für die Energiewende zwingen die  Akteure der Wohnungswirtschaft zeitnah zum Handeln. Doch immer nur zu reagieren, wenn es die aktuelle Lage verlangt, erschwert eine professionelle Immobilienbewirtschaftung. Um langfristig Immobilienwerte zu sichern, brauchen Unternehmen eine Zukunftsstrategie.

Deutschlands Klimaschutzziele sind ambitioniert. Bis 2045 – statt wie zunächst anvisiert bis 2050 – wird ein CO2-neutraler Gebäudebestand angestrebt. Das „Klimaschutzprogramm 2030“, vor allem die darin formulierte Einführung einer CO2-Bepreisung, soll die dazu notwendigen Anstrengungen forcieren. Maximal 67 Millionen Tonnen CO2 darf der Gebäudesektor in 2030 emittieren – in 2018 lagen die Emissionen bei rund 120 Millionen Tonnen. Wie diese beinahe Halbierung innerhalb des gesteckten Zeitrahmens gelingen soll, bleibt trotz „Klimaschutz-Sofortprogramm“ wage. Was nach 2030 kommt, ist kaum abschätzbar. Zumal die Erfahrung zeigt, dass Instrumente zur Energiewende und zum Klimaschutz oftmals lediglich den Moment abbilden. So dürfte das Tauziehen, wer für die Mehrkosten infolge der CO2-Abgabe auf fossil erzeugte Wärmeenergie aufkommt, ob Mieter oder Vermieter, nur ein Vorgeschmack sein, was auf Akteure der Wohnungswirtschaft zukommt, je mehr die Zeit drängt, die Klimaschutzziele zu erreichen. Was also tun, um vom Reagieren ins Agieren zu kommen?   

Klimasündern auf die Schliche kommen  

Ein Blick auf die Vorgehensweise institutioneller Bestandshalter ist für die Strategieentwicklung höchst aufschlussreich. Dort kommt das Immobilienmanagement etwaigen Klimasündern dergestalt auf die Schliche, dass es systematisch Gebäudedaten, darunter Energie- und wasserverbräuche, datenschutzkonform generiert, aggregiert und analysiert, um die CO2-Emissionen jedes einzelnen Gebäudes pro Quadratmeter und Jahr zu ermitteln. Denn nur so lässt sich erkennen, an welchen Stellschrauben konkret gedreht werden muss, um die energetische Performanz wirklich wirksam zu verbessern. Ohne stichhaltige oder unzureichende Datenlage bleibt vieles im Argen und Potenziale unerkannt. Zwar ist die Informationsbeschaffung alles andere als trivial, da etliche Aktenordner durchsucht und diverse Heizungskeller besucht werden müssen. Aber der Aufwand lohnt sich: Laut Umfrage der Ratingagentur Scope liegen für nur knapp 30 Prozent der Fondsobjekte noch keine CO2-Daten vor.

Datentransparenz schafft Vorteile  

Nützlicher Nebeneffekt: Zeitgleich mit der Datenaufnahme machen sich die Unternehmen für die Datenökonomie fit, da sie alle Daten digitalisieren und so aufbereiten, dass sie softwaretechnisch vielfältig einsetzbar sind. Denkbar ist beispielsweise die automatisierte Objektbewirtschaftung, die Gebäudeprozesse situativ steuert. Damit sind unnötige Energieverbräuche genauso passé wie kostspielige Ineffizienzen. Außerdem ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz möglich für ein vorausschauendes Facility Management, wodurch sich Wartungszeiten verkürzen oder gar nicht erst entstehen. Der große Vorteil der gewonnenen Datentransparenz ist, in jeder Situation – wie immer die Rahmenbedingungen für die Energiewende zukünftig aussehen mögen – handlungsfähig zu sein.

Digitalisierung eröffnet Handlungsspielräume 

Auch die Akteure der Wohnungswirtschaft können sich digitalisierte Daten für die Energiewende zunutze machen, indem sie ergänzend zu den bisher üblichen Bestandssanierungsmaßnahmen, wie Gebäudedämmung und Heizungserneuerung, die Ausstattung mit Gebäudeautomationslösungen in Betracht ziehen. Die Wirtschaftsinitiative Smart Living, der unter anderem der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland und der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilien-unternehmen angehören, fand unlängst in einer Studie heraus, dass durch vernetzte Smart Home-Anwendungen ein jährliches CO2-Einsparpotenzial zwischen 2,1 und 7,5 Millionen Tonnen besteht, abhängig vom Ausstattungsgrad und der Energieeffizienzklasse. Zudem ist ein bedarfsgerechtes Energiemanagement möglich, wodurch die benötigte Wärmeenergie zwischen 13 und 30 Prozent gegenüber nicht mit intelligenter Technik bestückten Wohngebäuden sinkt. Folglich lohnt es sich, smarte Gebäudetechnik einzusetzen. Zumal die ab dem 1. Juli 2021 geltende „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) neben der Sanierung bzw. dem Austausch alter, ineffizienter Heizungs- anlagen erstmals Digitalisierungsmaßnahmen inklusive Steuerungs- und Regelungstechnologien finanziell unterstützt. Kombiniert um die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen, um Mietern und Eigentümern moderne Services zu bieten, wird die Energiewende zum Innovationsmotor für Unternehmen der Wohnungswirtschaft, die nicht mehr von den Ereignissen getrieben werden, sondern sie proaktiv mitgestalten.


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