Nachhaltigkeit ist mehr als grün – Warum die Wohnungswirtschaft ihren Fokus erweitern sollte

Gemeinhin wird Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft vor allem auf die Energieeffizienz von Wohngebäuden reduziert. Dabei ist das Themenspektrum wesentlich breiter und umfasst ebenso soziale Aspekte wie auch eine veränderte Unternehmenskultur. Folglich sollten WEG- und Hausverwaltungen ihren Blick weiten. Zumal nachhaltiges Handeln die Reputation erhöht und das Risiko verringert von Entwicklungen überholt zu werden. 

Urbanisierung, Digitalisierung, Pluralisierung, Klimaschutz – die Welt ändert sich rasant. Auch die Erwartungen an das Wohnen und an Unternehmen der Wohnungswirtschaft wandeln sich. In der Studie „Wohntrends 2030“ beschäftigte sich der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen bereits 2013 mit den Auswirkungen einer zunehmend vernetzten und von umweltbewussten Lebensstilen geprägten Gesellschaft auf das Arbeiten in Wohnungsunternehmen und auf das Leben von Mieter:innen und Eigentümer:innen. Die 2018 erschienene Folgestudie „Wohntrends 2035“ identifizierte smartes Leben in Quartieren als einen Treiber digitalen und nachhaltigen Wohnens, für dessen Umsetzung die Wohnungswirtschaft entscheidend ist. Diesen veränderten Gewohnheiten könnten Wohnungsunternehmen nur gerecht werden, so die Verfasser, wenn sie der zentrale Anbieter von Diensten rund um die Wohnung wären. Einige der empfohlenen Services, wie die Schaffung lebendiger (digitaler) Nachbarschaften und E-Mobilitätsangebote, zählen inzwischen zum Leistungsspektrum von Akteuren der Wohnungswirtschaft. Auch eine effiziente Energieversorgung gehört dazu. Um die mit Nachhaltigkeit verbundenen Themen jedoch auf breiter Basis zu berücksichtigen, bedarf es einer strukturierten Vorgehensweise.   

Abwarten ist keine Option

Die Entwicklung und Integration einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie, die dazu auch noch handlungsebenenübergreifend funktioniert, ist allerdings kein Selbstläufer. Tradierte Prozesse zu verändern, braucht Tatkraft und Zeit. Abwarten ist keine Option. Denn Kunden – und das sind Mieter:innen und Eigentümer:innen – erwarten direkte Kommunikationswege, transparente Informationen und ein Miteinander auf Augenhöhe, genauso wie sich Mitarbeitende eigenständiges und flexibles Arbeiten wünschen. Diesen Anforderungen nicht oder nur halbherzig nachzukommen, kann sich keine WEG- oder Hausverwaltung in Zeiten von Empfehlungsmarketing und Fachkräftemangel leisten. Schon der Einsatz von Technologien, ob Dokumente noch per Fax statt wie allgemein üblich per E-Mail verschickt oder 360-Grad-Besichtigungen angeboten werden, signalisiert, wie modern, professionell und auf Nachhaltigkeit bedacht ein Unternehmen ist.

Mit Strategie ans Ziel

Um von der Theorie in die Praxis zu kommen, bietet der „Leitfaden zur branchenspezifischen Ergänzung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex – Orientierungshilfe für Wohnungsunternehmen“, herausgegeben vom GdW in Zusammenarbeit mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), einen Überblick über strategische Nachhaltigkeitsmaßnahmen und deren Umsetzung. Deutlich wird, dass sich mit dem bisherigen oft verengten Fokus auf einzelne Handlungsfelder nicht das gesamte Potenzial nachhaltigen Handelns erschließen lässt. Dazu sind bereichsübergreifende Kernfragen zu klären, beispielsweise nach dem künftigen Wirken des Unternehmens in der Wertschöpfungskette, nach dem gesellschaftlichen Umfeld in dem es agiert, wie es ein systemisches Umweltmanagement gewährleistet und wie die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards stichhaltig gegenüber Dritten nachgewiesen wird. Zusätzlich wird der Transformationsprozess von der Digitalisierung forciert und neue Chancen für ökonomisch, ökologisch, sozial und technisch nachhaltiges Handeln werden eröffnet. Vor allem ausgelöst durch die Verzahnung bislang getrennt voneinander ablaufender Verwaltungs-, Kommunikations- und Bewirtschaftungsvorgänge.

Es braucht ein neues Selbstverständnis

Die am 1. Dezember 2020 in Kraft getretene WEG-Reform ist eine gute Gelegenheit für Verwaltungen, Nachhaltigkeit weiterzudenken. Denn sie müssen ihre Abläufe organisatorisch und technisch ohnehin anpassen, damit etwa Sanierungen und Modernisierungen einfacher in die Wege geleitet sowie Eigentümerversammlungen fortan hybrid abgehalten werden können. Überdies sind Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit wichtige Erfolgsfaktoren für die Personalgewinnung. Einer Umfrage der Jobplattform StepStone zufolge, würde fast die Hälfte der Arbeitnehmer im Falle eines Jobwechsels gezielt nach Stellen bei nachhaltigen Unternehmen suchen. Darüber hinaus möchten viele Studierende die Zukunft positiv mitgestalten und wünschen sich von einem Arbeitgeber daher Innovationskraft und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Demnach müssen Unternehmen der Wohnungswirtschaft ein neues Selbstverständnis entwickeln, wollen sie attraktive Arbeitgeber sein und zukunftsfähig bleiben. Dass sich ein Umdenken für WEG-Verwaltungen auszahlt, zeigt das 9. VDIV-Branchenbarometer, wonach 57 Prozent nur neue Mandate bei entsprechender Vergütung und von rentablen Gemeinschaften annehmen wollen. Nachhaltigkeit ist eben mehr als „nur“ grün.


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